Kein Konto für den CSC-HH bei der GLS-Bank? – Wir haken nach

Die GLS Bank, die Ökobank mit dem besonderen ethisch-moralischen Gewissen, lehnt ein Konto für den CSC-HH ab, weil sie „immense Kontrollen und Erklärungsnot“ fürchtet. Uns wundert indessen doch sehr, dass eine Bank, wie die GLS, die sich ethischen Grundsätzen verpflichtet sieht „Erklärungsnöte“ befürchtet und deshalb eine Vereinigung von Betroffenen als Kunden ablehnt, aber keine Erklärungsnot fürchtet, warum sie sich damit hinter den Krieg gegen Drogen und gegen rund 2,5 Millionen regelmäßige Cannabisnutzer in Deutschland und Opfer dieses Krieges weltweit, stellt.

Wir bitten GLS Kunden die unsere Ziele teilen bei ihrer Bank zu protestieren und einen Bankwechsel zu erwägen.

Statt eines Artikels veröffentlichen wir einfach mal unseren Kundendialog – zumindest unseren Teil. Die Reaktion der GLS stellen wir nur kurz inhaltlich dar.

Sehr geehrte Damen und Herren,

für unseren Verein Cannabis Social Club Hamburg (CSC-HH) haben wir als Vorstand am 13.08.2015 in Ihrer Hamburger Filiale versucht ein Vereinskonto zu eröffnen.

Der freundliche Kundenberater war unsicher, ob unser Verein mit seinen satzungsgemäßen Vereinszielen mit den Grundsätzen der GLS-Bank soweit übereinstimmt, dass Ihre Bank bereit wäre ein Konto des Vereins zu führen. Die knappe Erklärung: „Wir machen nichts mit Genussmitteln.“

Dies schien uns, insbesondere angesichts des freundlicherweise angeboten Kaffees, unlogisch und auch die Frage ob die GLS-Bank Gastronomen, z.B. Kaffeehaus-Betreibern, grundsätzlich kein Geschäftskonto anbieten würde, wurde verneint. Der Berater teilte mit, dass er in der Zentrale nachfragen müsse, ob unser Verein ein Konto bei Ihrer Bank eröffnen könne. Am 14.08.2015 erhielten wir telefonisch eine nicht weiter begründete Absage.

Per Internetrecherche konnten wir aber keine derartigen Ausschlusskriterien finden. Im Gegenteil wirbt die GLS-Bank z.B. in ihrem Verkaufsprospekt „Ökoworld“ u.a. damit bevorzugt in Unternehmen zu investieren, die „Nahrungs- und Genussmittel naturverträglich oder gemäß den Kriterien des ökologischen Anbaus […] gewinnen, herstellen, verarbeiten, vertreiben oder deren Absatz fördern.“

Dieses, wie auch weitere dort genannte Kriterien, die aus Sicht der GLS-Bank für eine moralisch-ethisch einwandfreie Investition in ein Unternehmen sprechen, treffen auch auf unseren Verein zu.

Auch eine Google-Suche „GLS + Cannabis“ ergibt, dass bereits Cannabis Clubs (z.B. Cannabis Colonia e.V.) und Vereine mit gleichen Zielen (z.B. Grüne Hilfe, Hanfparade), sowie Parteien, die unsere Ziele teilen (darunter Bündnis 90 / Die Grünen sowie fast alle Gliederungen der Piratenpartei) und auch etliche Unternehmen der Hanfwirtschaft (z.B. Hanf Journal, Medi-Seeds) ihr Konto bei Ihrer Bank führen. Sogar etliche Mitglieder unseres Vereins haben derzeit ihr Konto bei der GLS.

Für einen Verein, der sich gegen den verheerenden Krieg gegen Drogen mit Todesopfern weltweit, und gegen die Diskriminierung, Kriminalisierung und Verfolgung von Cannabisnutzern und für selbst verwalteten, ökologischen Eigenanbau einsetzt, ist auch die Entscheidung für eine Bank eine politische. Auf keinen Fall sollen unsere Vereinsmittel einer Bank zur Verfügung gestellt werden, die vom internationalen Drogenschwarzmarkt und / oder dem Krieg gegen Drogen profitiert und diese illegalen Strukturen oder staatlichen Repressionen stützt.

Dies ist, wie Sie sicher wissen, keine Selbstverständlichkeit und die Verurteilung der HSBC-Bank zu einer Geldbuße von 1,9 Mrd. $ (1,4 Mrd. €), weil sie an einem ausgedehnten internationalen Geldwäschesystem beteiligt war, durch das bei illegalen Transaktionen Milliarden Dollar, u.a. mexikanischer und kolumbianischer Drogenkartelle, geflossen sind, ist sicher nur die Spitze eines Eisberges.

Gerade wegen Ihres Bekenntnisses zu sozialen und ökologischen Kriterien und Grundsätzen, sowie zu Transparenz war die GLS-Bank für den CSC-HH die erste Wahl. Umso enttäuschter sind wir über ihre, bislang unbegründete Absage ein Konto unseres Vereins zu führen. Wir bitten Sie daher Ihre Entscheidung noch mal zu überdenken und uns, sollten Sie an Ihrer Entscheidung festhalten, eine Begründung mitzuteilen.

Wir halten Ihre Entscheidung nicht für eine belanglose Einzelfallentscheidung, sondern für eine Entscheidung von grundsätzlicher Bedeutung und von erheblicher Relevanz auch für andere Kunden Ihrer Bank, wie den oben genannten befreundeten Organisationen unseres Vereins und für unsere Mitglieder und werden den Vorgang deshalb auch öffentlich dokumentieren und diskutieren.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Gerhold
Vorsitzender Cannabis Social Club Hamburg

 

Antwort GLS-Bank, noch am selben Tag (14.08): Vielen Dank für Ihre Nachfrage, wir werden erneut prüfen. Bitte senden Sie uns Ihre Satzung.

Wir hatten zwar eher auf ein Uups, wie Konto das passieren, füllen Sie bitte folgendes Formular aus gehofft, aber gut, wir senden unsere Satzung, erläutern unseren Verein und zeigen uns besonders bemüht um politische Korrektheit:

 

Sehr geehrte Frau X,

vielen Dank für die erneute Prüfung unseres Kontoeröffnungsantrages, unsere Satzung, die wir natürlich in Hamburg schon vorgelegt hatten, finden Sie hier im Anhang.

Ihre besondere Aufmerksamkeit möchte ich gern auf die Präambel und auf §2 Aufgaben und Ziele lenken. Hier wird deutlich, wir wollen langfristig, sobald die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen sind, eine Anbaugemeinschaft werden, die den gemeinschaftlichen, selbstverwalteten, ökologischen Anbau von Cannabis für den Eigenbedarf teilnehmender Mitglieder* organisiert. Dies soll so organisiert sein, dass der Verein selbst zu keiner Zeit Eigentümer von Cannabispflanzen oder Produkten sein wird, sondern immer die teilnehmenden Mitglieder* selbst. Der Verein ist auf Eigenwirtschaftlichkeit ausgerichtet und verfolgt keine Gewinnerzielungsabsicht. Ziel des gemeinschaftlichen Anbaus für den Eigenbedarf ist es Konsumenten*, in Deutschland konsumieren etwa 2,5 Millionen Menschen* regelmäßig Cannabis, die Lebenszeitprävalenz liegt bei knapp 25% der Bevölkerung, den Zugang zu Cannabis mit bekannten Wirkstoffgehalten und ohne unerwünschte und oft besonders gesundheitsschädliche Nebenstoffe (Streckmittel) zu ermöglichen und so einerseits die Gesundheit von Konsumenten* zu schützen und andererseits den Schwarzmarkt mit all seinen negativen, oft tödlichen Effekten zu schwächen. Sobald auch dafür die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen sind, wird unser besonderes Augenmerk dabei auf der Selbstversorgung von Patienten* liegen, die Cannabis als Medizin benötigen und auf besondere Anteile verschiedener Cannabinoide, also letztlich auf bestimmte Sorten, angewiesen sind.

Bis die gesetzlichen Voraussetzungen für oben genannte Ziele geschaffen sind, werden für uns für die Schaffung dieser Möglichkeiten einsetzen, sowie für eine akzeptierende und vernunftgeleitete Drogenpolitik in Deutschland und vor allem in Hamburg.

Als Interessenvertretung von Cannabiskonsumenten*, sowie deren Freunden* und Angehörigen*, liegen uns, auch unabhängig vom angestrebten Eigenanbau, die Gesundheit von Konsumenten*, Aufklärung und Prävention besonders am Herzen und sind als eigenständiges Vereinsziel formuliert. In diesem Sinne werden wir Informationsveranstaltungen durchführen, uns an Podiumsdiskussionen beteiligen und Vorträge anbieten. Hierbei soll vor allem die präventive Ansprache der Jugend im Vordergrund stehen. So finden Sie auf unserer Website, derzeit noch im Aufbau, auch Informationen, die sich speziell an Jugendliche, als auch an Eltern, Lehrer* und Pädagogen* richten. Als Experten* stehen sowohl erfahrene Konsumenten*, als auch Rechtsanwälte*, Mediziner*, Drogenberater* und Pädagogen* zur Verfügung, wobei wir keine individuelle Drogen- oder Rechtsberatung anbieten wollen.

Wir sind überzeugt mit unseren sozialen und ökologischen Grundsätzen, als auch unseren ethisch-moralischen Zielen, sowie mit unserer Organisation als demokratischer und transparenter Verein, den Grundsätzen der GLS-Bank zu entsprechen. Wir gehen deshalb von einer Revision ihrer bisherigen Entscheidung aus und  freuen uns bald Kunde ihrer Bank zu sein.

[* = männlich / weiblich]

Mit freundlichen Grüßen aus Hamburg

Andreas Gerhold

Cannabis Social Club Hamburg
http://cannabis-social-club.hamburg

 

 

Antwort der GLS noch am selben Tag (17.08): Danke für Ihren Auftrag, wir haben ihn an unsere Fachabteilung weitergeleitet.

Hhmm, ist das nur schon die Fachabteilung für Kontoeröffnung oder noch die für Prüfung zweifelhafter Kandidaten? Warten wir erst mal ab  und warten und warten noch einen Tag, eine Woche passiert nichts. Da müssen wir wohl noch mal nachhaken.

to be continued

 

Update 27.08.2015

Nachdem wir 10 Tage auf Antwort gewartet haben, teilt die GLS auf telefonische Nachfrage mit, dass es bei der Ablehnung bleibt und der CSC-HH kein Konto bei der GLS-Bank eröffnen kann. Auf nochmalige Nachfrage nach einer Begründung klärt uns ein Kundeberater über die deutsche Rechtslage bezüglich Cannabisanbau auf, betont die „drastische Bekämpfung“ durch den „Gesetzgeber“ (WTF?) und begründet die Ablehnung mit der Furcht vor „immensen Kontrollen und Erklärungsnöten“.

Hier unsere Antwort und unser letztes Schreiben an eine Bank, die sich mit ihren besonderen ethischen und moralischen Ansprüchen verkauft, sich aber aus Angst vor Erklärungsnöten lieber hinter den Krieg gegen Drogen stellt, als einer Interessenvertretung der Opfer ein Konto zu führen.

Sehr geehrter Herr X,

vielen Dank für Ihre, wenn auch unbefriedigende Antwort. Die Rechtslage ist uns durchaus bekannt, trotzdem Dank für die Erläuterung. Wie Sie aber selbst feststellen, bringt diese derzeitige Rechtslage große Probleme und gesundheitliche Risiken für Millionen Menschen mit sich, weshalb wir uns als Interessenvertretung eben für eine Änderung dieser Gesetzeslage einsetzen.

Nicht nur in Deutschland, weltweit sorgt diese Rechtslage für große gesundheitliche Schäden. Siehe dazu auch unsere Liste von in Deutschland üblichen Streckmitteln (http://cannabis-social-club.hamburg/streckmittel-erkennen-liste/). Die von Ihnen angeführte „drastische Bekämpfung“ ( Krieg gegen Drogen) führt zu zehntausenden Todesopfern. Es wundert doch sehr, dass eine Bank, wie die GLS, die sich ethischen Grundsätzen verpflichtet sieht „Erklärungsnöte“ befürchtet und deshalb eine Vereinigung von Betroffenen als Kunden ablehnt, aber keine Erklärungsnöte fürchtet warum sie sich damit hinter den Krieg gegen Drogen und gegen rund 2,5 Millionen regelmäßige Cannabisnutzer in Deutschland stellt.

Wie schon in vorhergehenden Schreiben festgestellt, sind andere, ähnliche Interessenvertretungen und Firmen der Hanfwirtschaft Kunden ihrer Bank. Wir erlauben uns diese befreundeten Organisationen und Firmen auf die von Ihnen mitgeteilte Haltung Ihrer Bank zu diesem Thema hinzuweisen.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Gerhold
Cannabis Social Club Hamburg
http://cannabis-social-club.hamburg

Wir bitten alle Kunden der GLS Bank, die unsere Ziele einer Beendigung der Prohibition und des Kriegs gegen Drogen und für eine Neufassung des Betäubungsmittelgesetzes bzw. für eine Legalisierung und Regulierung von Cannabis, zum Schutz von Jugend und Verbrauchern, teilen, der GLS Bank ihr Unverständnis mitzuteilen. Bitte protestiert bei eurer Bank gegen die Weigerung ein Konto des CSC-HH zu führen. Teilt der GLS mit, dass ihr eure Kontoführung bei einer Bank, die einer Interessenvertretung von Cannabisnutzern, die sich für besseren Jugend- und Verbraucherschutz einsetzt, ein Konto verweigert, überdenken werdet.

/CC

Deutscher Hanfverband
Grüne Hilfe Netzwerk e.V.
Cannabis Colonia e.V.
Schildower Kreis e.V.
Akzept e.V.
Medi Seeds
Hanf Journal
Bündnis 90 Die Grünen, Deutschland und Untergliederungen
Piratenpartei Deutschland und Untergliederungen

2 Kommentare

  1. 1
    Gerd Löffler

    Man sollte diese Bank sowieso tunlichst meiden, um keinen esoterischen Aberglauben zu fördern. Es gibt noch andere politisch korrekte Banken.

  2. 2

Was denkst du?