Diskussion: Sind Drogen das neue Schwul?

Die Behauptung Drogen seien das neue Schwul macht als Schlagwort immer mal wieder die Runde in der Legalisierungsszene und bekommt meist viele Likes.

Sind Homophobie und Drogenprohibition zwei Seiten der gleichen Medaille? Das wollen wir in der Pride-Week, am Mittwoch den 03.08.2016, diskutieren.

Pride-Week: Diskussion – Sind Drogen das neue Schwul?
Mi. 03.08. – 19:00h | Zentrum für politische Teilhabe – Lippmannstraße 57

Die Parallelen liegen auf der Hand: Der Staat verfolgt und verweigert den Einen Rechte, weil sie das falsche Geschlecht, die Andern weil sie die falschen Drogen lieben. In beiden Fällen sind aber Dritte nicht betroffen, geschweige denn, dass Dritte durch den jeweiligen Lebensstil Schaden nehmen würden. Es handelt sich in beiden Fällen um private und persönliche Entscheidungen, die weder den Staat noch die Mehrheitsgesellschaft etwas angehen.

[Ergänzung: Nicht die sexuelle Orientierung ist eine Entscheidung, sondern sie auch zu leben. „private und persönliche Entscheidungen“ bezieht sich auf „Lebensstil“. ]

Der CSC-HH steht für ein emanzipatorisches Menschenbild, für eine Gesellschaft, die jedem erwachsenen und mündigen Bürger die volle Eigenverantwortung für sich, seinen Körper und seine Lebensweise zubilligt. Stattdessen werden wir als Minderheit, die andere Drogen konsumiert als die gesellschaftliche Mehrheit, mit rein moralisch begründeten Straftatbeständen für opferlose Straftaten verfolgt.

Tausende Menschen die niemandem Schaden zugefügt haben, die nichts anderes tun als ein selbstbestimmtes Leben zu führen, werden kriminalisiert und oft sogar ins Gefängnis gesteckt. Zehntausende Existenzen werden jedes Jahr zerstört. Lehrer verlieren ihren Job, weil sie in ihrer Freizeit andere Drogen nehmen als die Mehrheit, mit der Begründung mit ihrem Lebensstil könnten sie kein Vorbild sein. Taxifahrer und andere verlieren ihren Führerschein und damit ihre Existenz, ohne jemals berauscht am Straßenverkehr teilgenommen zu haben, weil man Cannbiskonsumenten grundsätzlich nicht die notwendige moralische Verfassung zur Teilnahme am Straßenverkehr zutraut. Mit der gleichen Begründung verweigert man unseren Kindern eine aufklärende und Gefahren reduzierende Drogenprävention. Hunderttausende Menschen werden allein in Deutschland jedes Jahr Opfer dieser diskriminierenden, unvernünftigen, verfehlten Drogengesetzgebung und Drogenpolitik.

Solidarität ist die Zärtlichkeit der Verfolgten

In diesem Sinne solidarisieren wir uns als verfolgte Minderheit mit anderen verfolgten Minderheiten. In diesem Sinne engagieren wir uns für die Rechte von LGBT-Menschen genauso wie wir uns gegen Geschlechterdiskriminierung und Rassismus wenden. Wir demonstrieren Solidarität und werben für Solidarität mit uns.

Die Organisatoren des Hamburg Pride sehen diesen Zusammenhang leider nicht oder möchten ihn lieber nicht sehen. Auf unsere Anfrage nach einem Standplatz auf dem Straßenfest bekamen wir leider eine abschlägige Antwort: „Alle Vereinsstände auf dem CSD haben einen eindeutigen direkten Bezug zur Community und sind dort auch hauptsächlich tätig. Dies ist bei Euch leider nicht zu erkennen.“

Davon lassen wir uns aber nicht abhalten. Wir beteiligen uns mit dieser Diskussion an der Pride-Week, werden an der Parade teilnehmen und werden auch auf dem Straßenfest, wenn auch nicht mit einem eigenen Stand, sondern an den Ständen verschiedener befreundeter Organisationen, Solidarität bekunden.

Der HAMBURG PRIDE 2016 ist mehr denn je eine Einladung über unsere eigene Community hinaus: Wir stehen für eine offene und vielfältige Gesellschaft, unsere Solidarität gilt all jenen, die sich gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zur Wehr setzen. Wir laden sie dazu ein, sich mit uns gemeinsam stark zu machen: für die volle Gleichberechtigung von LGBTI, gegen Homo- und Transphobie. Es geht mit diesem Motto nicht darum, eine vermeintliche Normalität zu definieren. Es geht darum, dass die Achtung von Menschenrechten und Menschenwürde der Normalfall ist.“ http://www.hamburg-pride.de/hamburg-pride-csd/kampagne/

Das sehen wir genauso und hoffen im nächsten Jahr auch einen Stand zu bekommen. Denn, ob Mann, Frau, Transsexuell, ob homo-, bi- oder heterosexuell, ob schwarz, weiß, gelb oder grün, ob Wein-Gourmet oder Cannasseur – niemand darf für seine äußerlichen Merkmale oder seinen privaten Lebensstil diskriminiert und verfolgt werden.

2 Kommentare

  1. 1
    HomegrowerHH

    DANKE!

    Als schwuler Kiffer (mit Migrationshintergrund!) freuts mich, dass sich der CSC mit dem CSD solidarisiert. Schade, daß Hamburg Pride darauf keinen wert legt oder vermutlich Angst hat das Schwul und Drogen in einem Satz genannt werden könnte. Aus Sicht der „alten Männer“ die noch die harte Verfolgung erlebt haben vielleicht verständlich. Aber ich bin mir sicher, daß die jungen Schwulen und Lesben sich freuen werden. Die Fortschritte der letzten Jahrzehnte waren doch nur möglich weil immer mehr „Normalos“ verstanden haben, daß wir auch normale Menschen sind. Und Kiffer sind auch normale Menschen. Also lasst euch nicht vergrauln!

    LG HG

  2. 2

    Ein Thema, dass mir schon lange unter den Nägeln brennt. Es ist so wunderbar, dass es hier aufgegriffen wurde. Die Parallelen der Verfolgung von Hanffreunden und der Verfolgung von LGBT bis in die 60er Jahre sind erschreckend. Es ist klar: Die perversen Schwulen vergreifen sich an euren Kindern, hieß es. Wir sind Leidensgenossen, selbst wenn das von der LGBT nicht akzeptiert werden mag. Aber die Hoffnung bleibt: Wenn die neue Generation die Gesellschaft gestalten darf und vor allem die Gesetze macht, reihen wir uns ein in die Gruppe der Ungläubigen, Perversen und Untermenschen. Dann bekommen auch wir unser Mahnmal in Frankfurt – damit so etwas nie wieder passiert.

Was denkst du?