GMM: 1. Smoke-In vor dem Hamburger Rathaus

Auf dem Hamburger Rathausmarkt trafen sich am gestrigen Freitag etwa 150 – 200 Menschen, um sich gemeinsam um vier Uhr zwanzig öffentlich einen Joint anzuzünden und niemanden interessiert’s. Nicht die Presse, nicht mal BILD war anwesend, um wie üblich zu skandalisieren, nicht die Polizei, bei der wir uns herzlich für das Augenmaß und die Gelassenheit bedanken und weder die Hamburger, noch die Touristen aus aller Welt, mit denen wir kiffend viele gute Gespräche führen konnten.

Die Veranstaltung wurde vom CSC-HH ordentlich bei der Versammlungsbehörde als stationäre Kundgebung zum „Gedenken der Opfer des Cannabiskonsums“ angemeldet. Vorausgegangen war eine Veranstaltungswoche, die Weed-Week, mit täglichen Veranstaltungen. Beides war der Hamburger Beitrag zum Global Marijuana March (GMM), der jährlich Anfang Mai weltweit und auch in rund 30 deutschen Städten für eine Beendigung der Cannabis Prohibition und für eine akzeptierende Drogenpolitik, mit Demonstrationen und Aktionen, statt findet.

 

Weed-Week: Buntes Programm

Die Veranstaltungen der Weed-Week spiegeln jährlich die aktuellsten Themen- und Arbeitsfelder des CSC-HH, sollen aber der Vernetzung, dem persönlichen Kennenlernen und der gemeinsamen Kultur- und Brauchtumspflege dienen. Letzteres bot vor allem das „Grillen & Chillen“ zu dem sich die Mitglieder schon am Dienstag trafen. Aber auch viele Interessierte nutzten die Gelegenheit uns ungezwungen kennen zu lernen. Höhepunkt der Weed-Week war sicherlich die Veranstaltung „How to Cannabis-Rezept“, eine Infoveranstaltung für (potentielle) Cannabis-Patienten und Ärzte. Auf der erfreulich gut besuchten Veranstaltung referierte Samgar Reichert, der Koordinator unserer Patienten-Selbsthilfegruppe. Wie ist der formale Weg zum Cannabisrezept, wer kann ein Rezept bekommen, wie kann man seinen Arzt unterstützen wenn dieser Unsicher ist, was tun wenn die Krankenkasse die Kostenübernahme ablehnt oder kann man auch ein Cannabisrezept bekommen und selbst bezahlen, wenn die Krankenkasse die Kosten nicht übernimmt? Diese Fragen erreichen uns derzeit täglich und wurden in diesem Vortrag und der anschließenden Fragerunde beantwortet. Für alle die es verpasst haben, gibt es demnächst einen Videomitschnitt. Die Selbsthilfegruppe (SHG) trifft sich immer am 1. Mittwoch jeden Monats in unseren Räumen im ZPT, auf der Schanze.

Enttäuschend war die geringe Resonanz auf das Thema „Suchtprävention an Hamburger Schulen“. Gerade weil uns von abgeneigter Seite doch immer wieder vorgeworfen wird, wir würden allein durch die Debatte über eine andere Drogenpolitik die zahlreichen Präventionsmaßnahmen unterminieren, hatten wir gehofft mit diesen Kritikern darüber ins Gespräch zu kommen. Allerdings müssen wir immer wieder festestellen, dass ausgerechnet bei denjenigen, die das Wort immer laut im Munde führen, wenn es als Argument gegen Liberalisierung herhalten soll, ansonsten aber offenbar wenig Interesse besteht. Wir haben zwar auch einiges an Lob, aber eben auch viel Kritik und Verbesserungsvorschläge, insbesondere was die Einbindung von Suchtprävention in den Schuluntericht angeht, zusammengetragen, die wir auch gern mit Verantwortlichen diskutieren wollen. Wir werden das Thema weiterverfolgen. Es darf nicht sein, dass Suchtprävention an Hamburger Schulen ein Nischendasein in Projektwochen fristet und eine Tarnorganisationen von Scientology immer noch in Schulen eingeladen und deren Material an Schüler verteilt wird.

 Legalisierung macht Sinn – Machen wir der Politik Dampf

Zum Abschluss der Weed-Week haben wir der Politik vor dem Hamburger Rathaus mit vielen bunten Aktionen unsere Forderungen vorgetragen:
• Legalisierung jetzt! Schluss mit der Verfolgung von Kiffern
• Anhebung der sogenannten geringen Menge
• Rechtstaatliche Führerscheinpraxis
• Keine Verfolgung von Eigenanbau
• Regelhafte Drogenprävention an Schulen
• Ausbau von Drogenkonsumräumen und Drugcheck

Unser Vorsitzender Andreas Gerhold griff in seiner kämpferischen Rede eine aktuelle Statistik auf, die jüngst die Runde durch alle Medien machte: „75 Drogentote in Hamburg – Zahl dramatisch gestiegen“. „Das ist in der Tat dramatisch. Und hier ist ja nur von illegalisierten Drogen die Rede. Die Tausenden Todesopfer der Droge Alkohol sind ja gar kein Thema mehr. Wenn wir uns die Zahlen ansehen, stellen wir aber fest, dass niemand am Cannabiskonsum gestorben ist, aber ein ein guter Teil der Opfer sich an Cannabissurrogaten, also Cannabisersatzprodukten, vergiftetet hat. Diese Produkte gibt es aber überhaupt nur weil Cannabis illegalisiert ist.“ sagt Gerhold. „Ein weiterer Teil der Opfer hat sich mit harten Drogen überdosiert. Auch das sind einfach vermeidbare Opfer. Aber die Politik hält am strikten Cannabisverbot fest und untersagt Konsumenten und Drogenhilfe das zu leisten, was der Staat seinen Bürgern vorenthält: Qualitätskontrolle. Die mit Krokodilstränen Betrauerten sind nicht in erster Linie Opfer von Drogen, sondern Opfer einer verfehlten Drogenpolitik!“

Dazu passend informierte der CSC anhand von Mustern über gefährliche Ersatzstoffe, wie Fake-Hasch, über verschiedene Streckmittel und wie man sie erkennt. Praktischer Jugend- und Verbraucherschutz!

Kiffen auf dem Rathausmarkt. Na, und?

In seiner Rede griff Gerhold auch die aktuellen Gesetzänderungen zur Verschreibungsfähigkeit und Kostenerstattung von Cannabis als Medikament auf. Dieses Gesetz sei weder ein Geschenk, noch ein Anfall von Vernunft der Bundesregierung, sondern von Patienten vor Gericht erstritten und als Gesetz erzwungen. Letztendlich habe sich die Bundesregeirung durch viele Gerichtsurteile, im April diesen Jahres, nach jahrzehntelangem Kampf, auch einem letztinstanzlichen Urteil, gezwungen gesehen nachzugeben, um den aus ihrer Sicht unkontrollierbaren Eigenanbau zu verhindern. Er beendete seine Rede mit dem Hinweis, dass er Informationen habe, dass einige Patienten mit Rezept jetzt, um vier Uhr zwanzig, dringend ihr Medikament nehmen müssten. Wer sich solidarisieren möchte, könne von uns Fake-Joints bekommen. Wer sich noch konkreter solidariseren möchte, tue dies natürlich auf eigene Gefahr. „Aber wir wollen hier auch Gesicht zeigen. Wir wollen zeigen, dass wir ganz normale Menschen sind, und auch wenn wir gekifft haben nicht schreiend über den Rathausmarkt laufen und uns die Klamotten vom Leib reißen. Es ist vier Uhr zwanzig: Zündung.“ Unter Applaus klickten rund 150 Feuerzeuge und auch Gerhold ließ sich einen Joint reichen. Fake oder echt, verriet er nicht.

Weder die Polizei, die sich sehr zurück hielt und kaum sichtbar war, noch Passanten störten sich an uns. Im Gegenteil bekamen wir, ob durch Winken, erhobenen Daumen und in vielen Gesprächen viel Zustimmung. Nur die Scientologen, die plötzlich auftauchten, versuchten  Passanten zu überzeugen, dass wir gefährliche Drogensüchtige seien. Allerdings ohne großen Erfolg, sodass sie auch bald weiterzogen.

Ein Kommentar

  1. 1
    Andreas Müller

    Hallo Freunde !
    Ich bin u. a. im Netz auf Euch gestoßen, weil ich auch betroffen bin von Prohibition, Repression und Sanktion. Ich bin 56 Jahre alt und als ich 16 war dachte ich Cannabis wird wohl bald legalisiert. Tatsächlich ist es so , daß 40 Jahre später mehr Kriminalisierung und „Krieg gegen Cannabis“ stattfindet , als wir es damals erlebten. Um so bedauerlicher die Diskussion um den medizinischen Nutzen von Cannabis , weil das keine neuzeitliche Erkenntniss darstellt, sondern aus pharmaethnologischer Sicht 1000de von Jahren bekannt ist. Als ich den medizinischen Nutzen herausfand , dachte ich erst es wirkt nur bei mir so…..Heute weiß ich dass es vielfältige Krankheitsbilder gibt bei denen eine Cannabistherapie indiziert ist. Nun habe ich gedacht , weil ich unter chronischen Schmerzen, Depressionen , posttraumatischem Belastungssyndrom, ADHS und ! COPD leide wird es wohl angesagt sein entsprechende Hilfe von Ärzten zu bekommen. Nur leider ist das nicht so. Die Hürden liegen schon in der Diagnostik, denn wenn man erfährt das ich mir mit Cannabis immer zu helfen gewußt habe kann man meine Krankheiten seites der Ärzteschaft oft nicht mehr nachvollziehen ? Was mein fortgeschrittenes Lungenemphysem angeht wird es allerdings schwieriger , denn die Röntgenbilder sprechen eine eindeutige Sprache. Nichts desto trotz konnte ich bisher keine Hilfe erwarten, obwohl ich mich intensiv darum bemüht habe…Dr. Eva Milz angeschrieben…Dr. Grotenhermen….etc. und namenlose Fachärzte aus meiner Region….sinnlos ! Eine Odysee von Arzt zu Arzt ist leidvoll und contraproduktiv . Stattdessen hat mich jetzt die Polizei rausgezogen und ein jahrzente andauerndes „gentlemean agreement“ aufgekündigt ….auf einmal bin ich auf grund von Gesetzesänderung charakterlich nicht mehr geeignet ein Fahrzeug zu führen, obwohl ich seit fast 40 Jahren unfallfrei Auto fahre ! Damit verliere ich auch meinen Arbeitsplatz , abgesehen von der gesundhheitlichen Misere in die es mich geführt hat. In der Hoffnung auf Einsicht hinsichtlich meines Widerspruchs bin ich seit 6 Monaten abstinent….doch es scheint aussichtslos die Rechtssprechung davon zu überzeugen, daß ich über einen medizinischen Hintergrund hinsichtlich des Konsums verfüge…weil mir die Götter in weiss es nicht verschrieben haben und aussichtslos davon zu überzeugen das ich sehr wohl trennen kann zwischen Rausch und Autofahren. Es gleicht einer Inquisition Menschen wie mich aufs Abstellgleis zu stellen , es verletzt mich zutiefst und beraubt mich meiner Existenz , meiner Würde und meiner Rechte. Ich war noch nie so niedergeschlagen und verzweifelt wie jetzt in meinem ganzen Leben nicht. Alles was ich mir aufgebaut habe geht den bach runter, ich fühle mich als würde ich lebendig begraben werden. Und die Öffentlichkeit denkt : In Deutschland tut sich was in Sachen Legalisierung zumindest unter dem medizinischen Gebrauch…..ein Scheißdreck tut sich . Man steht einem „Kartell“ gegenüber die Profit gewittert haben und ohne jedwede Emphatie , geschweige denn aus Überzeugung nun entscheiden wie mit Cannabiskonsumenten verfahren wird. Die Stigmatisierung und Kriminalisierung geht in die nächste Runde….die nächste Generation wird nochmehr drunter leiden, als ich es in meiner Jugend schon tat. Aber da konnte ich wenigstens Autofahren , die Zöllner haben uns durchgewunken…oft ist man noch hinter uns hergefahren um Fahrfehler oder sonstwie Auffälligkeiten dingfest zu machen….immer erfolglos ! Cannabis im Straßenverkehr kann man nicht mit Alkohol auf eine Stufe stellen….politisch unabhängige Studien werden schnell zunichte gemacht durch politisch abhängige von Lobbyisten gesteuerte Studien.
    Das ist alles nur zum Kotzen !!! Und das ist die Realität, das ist Deutschland im Jahr 2019 …wer Cannabis konsumiert ist schwerst!krank und oder kriminell und fällt raus ausm System….wird arbeitslos , führerscheinlos und wird zur chronischen Einnahmequelle der Ärzteschaft , die sich gnädigerweise für die Etablierung der neuen Cannabisindustrie einsetzen….aber offenbar nicht für die Menschen die mit Cannabis die Symptome ihrer Krankeheiten lindern um weniger zu leiden oder sogar noch mithalten können beruflich…Wie schön es war, wenn nicht jeder weiß wie schwer krank man ist. Das ist jetzt passe…das passt nicht in ein totalitäres System . Und das System wurde in den letzten Jahrzehnten planmäßig eingeführt , so daß es kaum einer bemerkt zu haben scheint. Ich bin jetzt aber wach geworden, ich wollte es erst nicht glauben , daß es so schnell voranschreitet und so widerstandslos angenommen wird, mal abgesehen davon daß es höchst unbequem ist sich von seinen illusionen zu lösen und sich der Realität zu stellen. Was mich betrifft mußte ich das wohl, jetzt bereite ich mich vor auf ein bitteres Leben in Elend und Armut, in Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Alles was ich mir aufgebaut habe wurde durch eine (nicht zufällig) Polizeikontrolle zunichte gemacht , auch noch mit Häme und Willkür ! lediglich wegens des Beweises von 9,7 ng aktivem THC im Blut !!! Die Erfindung das Straßenverkehrsrecht als Ersatzstrafrecht zu mißbrauchen ist nur ein Baustein in der Planung zum totalen Überwachungsstaat, das alles kommt nicht von ungefähr . Die Prohibition von Cannabis ist hochpolitisch immer gewesen , wir müßen viel energischer dagegen vorgehn als wir es je getan haben ! Das schreibt einer, der sich nichtmal selbst zu helfen weiß….toll ! Was denkt ihr ?
    mit solidarischen Grüßen
    Andreas Müller

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